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Als Allah die Welt erschaffen hatte, schaute er sie sich an und alles, was ihn vom Wesentlichen ablenkte, nahm er heraus. So entstand die Wüste. (Überlieferung aus dem Berberischen)
Zugegeben, anderthalb Tage Anreise nur für einen Silvesterlauf sind schon nicht alltäglich. Doch wenn man weiß, dass dieser Lauf in Zagora, im südlichen Marokko am Rande der Sahara, stattfindet und zudem von den Brüdern Ahansal organisiert wird, die gebürtig aus der Stadt sind und seit Jahren zu den Gewinnern des legendären „Marathon des Sables“ gehören, dann verspricht es abenteuerlich zu werden.
Sofort nach den Weihnachtsfeiertagen ging es los, per Flug über Milano und Casablanca zunächst nach Ouarzazate, einer pulsierenden, lebhaften Stadt am Rande des Hohen Atlas auf einem Wüstenplateau in 1160 m Höhe. Die Fahrt am nächsten Tag im Auto in das 160 km entfernte Zagora wird zu einer Zeitreise in den Orient. Zunächst gilt es das nahezu vegetationslose Gebirgsmassiv des Djebel Sarhro zu überwinden, in das sich der Oued Drâa ein tief eingeschnittenes Tal gegraben hat. Zwischen Agdz und Zagora bewässert der Fluss eine dichte Kette von Dattelpalmen-Oasen. Das Drâa-Tal verengt sich in diesem Abschnitt immer wieder zu zerklüfteten Schluchten, weitet sich dann wieder zu ausgedehnten Hochebenen. Ein fast lückenloses Palmenband säumt den Flusslauf, Oase reiht sich an Oase, die einzelnen Kasbahs sind wie an einer Perlenschnur aufgereiht, umgeben von den charakteristischen ockerfarbenen, aus Lehmziegeln und sonnengehärteter Stampferde gebauten Häusern. Wenn Reiseführer schreiben, dass dieser Abschnitt zu den eindruckvollsten Landschaften Süd-Marokkos gehört, so kann dem nur zugestimmt werden.
So eingestimmt erreichten wir Zagora, ebenfalls am Drâa-Ufer in einer Dattelpalmen-Oase gelegen und bezogen unser Zeltcamp einige km außerhalb der Stadt, am Rande der Sahara, direkt vor den ersten Dünenkämmen. Ein phantastischer Sonnenuntergang und ein Sternenhimmel, der seinesgleichen sucht, entschädigten jeden Abend für das, was dann kam: die Kälte. Nachttemperaturen zwischen 0 und -2 Grad waren angesagt, so dass das morgendliche Aufstehen und Waschen zunächst doch sehr gewöhnungsbedürftig war.
Bis zum Lauf blieben noch zwei Tage, die mit Ausflügen in die Umgebung, einem Bummel durch Zagora und natürlich mit vielen Gesprächen im Camp mit den einheimischen Helfern ausgefüllt waren. Bei dieser Gelegenheit erfuhren wir viel über die Berber, die Ureinwohner des Maghreb, denen nicht nur die Helfer sondern die überwiegende Bevölkerung um Zagora und insbesondere die Nomaden angehören. Viel Spaß machte bei einem „Berber-Whiskey“ (stark gesüßter Pfefferminztee) immer wieder der „Sprachunterricht“: deutsche oder französische Redensarten gegen arabische oder solche aus der Berbersprache. Und bald war uns das allgegenwärtige „Inshalla“ ebenso geläufig wie den Einheimischen.
Bald hätten wir über dem ganzen Wohl-Ergehen vergessen, weshalb wir eigentlich nach Zagora gekommen waren, doch unausweichlich kam der 31. Dezember und damit um 9.00 Uhr der Startschuss zum (Halb-)Marathon. Gut 300 Läuferinnen und Läufer standen an der Startlinie. Die ersten km vergingen wie im Flug und schon kam die erste Verpflegungsstation. Überall Mineralwasser aus der Flasche, um die empfindlichen Mägen der Europäer nicht zu sehr zu strapazieren, Zucker, Datteln und die unvergleichlich leckeren Orangen waren an jeder Station zu finden. Nach der Passage einer Palmeoase trennten sich bei km 11 die Halbmarathonläufer von den Marathonis. Zuerst habe ich die beneidet, die nur noch 10 km vor sich hatten, denn mir fiel das laufen auf den ersten km bei den sommerlichen Temperaturen nicht sehr leicht, doch die weitere Strecke, die den Marathonläufern geboten wurde, ließ keinen Neid aufkommen. Noch eine Palmenoase, Sanddünen, Nomadenlager, Schotterstrecken, es war alles dabei. Nicht umsonst führt der Zagora-Marathon den Beinamen „kleiner Marathon des Sables“. Weiß gekennzeichnete Steine wiesen den Weg, selbst ich habe es nicht geschafft, mich zu verlaufen.
Der absolute Höhepunkt näherte sich allerdings bei km 37, als es für die Marathonis daran ging, auf knapp 3 km gut 300 Höhenmeter bis auf die Spitze des Djebel Zagora zu überwinden. Der gut befestigte Weg zog sich um den Berg herum, so dass sich jederzeit eine phantastische Aussicht auf das untenliegende Zagora ergab. Mohamed Ahansal hatte Tage vorher schon immer wieder einfliessen lassen, dass der Abstieg „etwas“ schwierig sein würde und dass man „ein wenig“ vorsichtig sein müsse, sein Schmunzeln hätte uns warnen sollen. Und in der Tat war es unglaublich, was sich bei km 40 vor uns auftat: ein rasanter Sturzflug auf Schotter nach unten. Nun gut, der Ehrgeiz der beiden Brüder Ahansal besteht darin, den legendären „Marathon des Sables“, der in sechs Etappen über ca. 240 km ausgetragen wird, auf 42,195 km an einem Tag zu komprimieren, einschließlich Sand- und Schotterstrecken, Auf- und Abstiegen…
Aber auch diese Passage konnte ohne Knochenbrüche bewältigt werden, und dann war es nur noch ein km bis zum Ziel. Insgesamt kamen gut 180 Läuferinnen und Läufer aus Belgien, Luxemburg, Frankreich, Amerika und Marokko über die (Halb-) Marathondistanz in die Wertung. Ein Finisher-Shirt, eine Medaille und nach dem vielen Wasser ein kühles Bier waren die wohlverdiente Belohnung nach diesem perfekt organisierten Lauf.
Eine gemeinsame Feier im Camp ließ das Jahr 2007 ausklingen und alle anstoßen auf ein erfolgreiches (Lauf-)Jahr 2008. Inshalla!
Unnötig, noch darauf hinzuweisen, dass von „A“ wie Abholen vom Flughafen in Ouarzazate bis „Z“ wie Zurückbringen von Zagora nach Ouarzazate und dort zu 4.00 h am Morgen zum Flughafen alles reibungslos geklappt hat. Wie schon gesagt, der Lauf selbst ist phantastisch organisiert und das mehrtätige „Drumherum“ ließ keine Wünsche offen. Absolut empfehlenswert!!!!
Barbara Späth, Januar 2008 Bildquelle: Barbara Späth
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